Portfolio

Oktober 29, 2009 um 11:33 nachmittags | Veröffentlicht in Uncategorized | 2 Kommentare

MMF 3, MODUL 1, Aufgabe 1

Allgemeines
Portfolio – ein Begriff ist zum Modewort avanciert, im gesamten Sprachraum Europa, in den Schulen, in denen die Jugend auf ein Leben in der EU vorbereitet wird, überall ist die Rede von Portfolio.
Nach Vorstellungen aus Brüssel spricht der EU-Bürger im Idealfall
vier Sprachen, (Vorbild war die Schweiz, nur gehört die nicht dazu.)
Seit 2001, dem Jahr der Sprachen, sind die Europäischen Sprachenportfolios bekannt, mit Ausgaben für Schulen, für Emi-, Immi- und Migranten ebenso wie für Erwachsene. Seitdem sind europaweit einheitliche Einstufungskriterien etabliert, Stichwort: Europäischer Referenzrahmen, die Bewertungskriterien sind allgemein verbindlich.
Nun geht es in diesem Zusammenhang nicht um das Europäische Sprachportfolio, seit gelungener Formulierung Europäischer Qualitätsstandards sind allerdings Normen und Richtwerte zu beachten, die für die Arbeit mit Portfolios gelten, das enthebt von Pflichten zu abweichenden Festsetzungen.
Definition
Portfolio – bei Wikipedia findet man als Definition schlicht Loseblattsammlung.
Warum nun Portfolio und nicht gebunden? Immerhin sind die Blätter gelocht und lassen sich ebenso bequem einheften, wie sie sich einzeln herausnehmen und bearbeiten lassen. Das Lochen von Dokumenten ist nicht üblich.
Als Portfolio im weiteren Sinne bezeichnet werden auch auf Blogs (oder evtl. auf Lernplattformen, bzw. bei Moodle) abgelegte Lerntagebücher, eine Art der Lernerorganisation unter dem Motto “Lernen lernen” und mit dem Vorteil, dass sich ein ordentlich dokumentierter, unterbrochener Lernprozess auch zu einem späteren Zeitpunkt unschwer wieder aufnehmen lässt.
Veröffentlichung
In Schulen stellt sich die Frage, ob ein, immerhin kostenpflichtiger, Kurs, der zum Erwerb eines anerkannten Zeugnisses führt, durch Veröffentlichung der Lernwege auf dem Blog “verkauft” wird, doch eher nicht; abgesehen davon entsteht Öffentlichkeit immer schon beim Verteilen von Arbeitsblättern, die sich in beliebiger Anzahl kopieren lassen. Bleibt die Möglichkeit auf einen bestimmten Teilnehmerkreis beschränkten Zugangs, damit entfällt die unabhängige Überprüfung durch die Öffentlichkeit. Allen Bedenken zum Trotz überwiegt schließlich das Interesse an der Nutzung moderner technischer Hilfsmittel und Möglichkeiten.
Damit können Lehrer elektronische Klassenbücher führen und virtuelle Klassenräume auf Blogs einrichten, vergl. dazu Moodle oder Bildungsserver, wie z.B. QUIA oder Lo2 Net und – Kursstatistiken auf der GI Lernplattform.
Worin bestehen nun die Vor- und Nachteile der Portfolio-Methode?
Die Portfolio-Methode bietet (bei lehrbuchunabhängiger Kursarbeit) nach Evaluierung entsprechend dem Europäischen Refenrenzrahmen
die Vorteile binnendifferenzierten Arbeitens, nach individuell angepasstem Lehrplan, mit Ablage, Dokumentation in eigener Mappe. Nachteile der Methode bestehen in der Aufhebung der Klassengemeinschaft; nachteilige Wirkungen lassen sich eventuell durch einen Überbau mit der ganzen Klasse gemeinsamen Zielsetzungen und Kleingruppenarbeit abfedern. Bleibt die Frage, ob die Vermittlung gesicherten Wissens, so genannten Schulwissens, zugunsten einer universitären Arbeitsweise, Stichwort: Jugend forscht, aufgegeben werden soll und darf. Die Frage bezieht sich auf das Kurssystem in der Gymnasialen Oberstufe und ist hier nicht zu beantworten.
Erkennbare Vorteile bestehen in der Bewusstmachung von Lernschritten
beim Lernenden und in durch Dokumentation dieser Arbeitsschritte und Reflexion stark augmentierten Lernbehaltenseffekten. Mehr noch, die sorgfältige Dokumentation, bzw. Sammlung von Lernschritten im Portfolio, erweist sich als wirksam gegen unnötige Wiederholungen beim Fertigkeitentraining. Das Portfolio lässt sich immer aktualisieren. Möglichkeiten zur Wiederaufnahme eines unterbrochenen Lernprozesses wurden oben schon erwähnt. Gewiss besteht ein Vorteil auch darin, dass sich (bei EVA, beim Eigenverantwortlichen Arbeiten,) die Eigenständigkeit eines Lernprozesses und die Urheberschaft eingereichter Arbeitsergebnisse anhand der schrittweisen Dokumentation nachweisen, bzw. transparent machen lassen. Eventuell ergibt sich die Notwendigkeit zusätzlicher Überprüfung nicht gesicherter Erkenntnisse.
Einschätzung
Man muss die Dokumentation von Arbeitsergebnissen im Kurs ebenso wie die ordnungsgemäße Kursdokumentation nicht notwendig als doppelte Arbeit mit zusätzlichem Materialaufwand betrachten. Man sollte stattdessen die Vorteile ordnungsgemäßer Arbeitsorganisation unter Beachtung von Qualitätsstandards, BEST PRACTICE im besten Sinne, zu schätzen wissen. In diesem Zusammenhang sollte die ALTE, Association of Language Testers in Europe, nicht unerwähnt bleiben, Vergleiche mit der ACTFL und eventuell der AATG sind gewiss aufschlussreich. Die Arbeitsorganisation mittels Portfolios gilt als für Schüler und Studenten, denen EVA-Methoden nicht fremd sind, geeignet, nicht empfohlen wird der Einsatz bei lernungewohnten Teilnehmern.
Daher ist die Portfolio-Methode in Schulen, an Universitäten und in der Erwachsenenbildung etabliert. Beispiel: Lehrerfortbildung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Vom BAMF wird die Eignung in Integrationskursen eingesetzter Lehrkräfte für die Vermittlung von DaZ anhand einzureichender Portfolios überprüft, zu deren Inhalten u.a. direkt am Rechner auszufüllende Fragebogen zählen. Andererseits hat sich die Portfolio Methode im außerschulischen Sprachunterricht DaF oder DaZ noch nicht durchgesetzt. Richtig angewandt kann sie jedoch auch dabei von Nutzen sein.
Praxisbezug
Erste Erfahrungen mit Portfolios oder Lerntagebüchern habe ich während der Teilnahme am MMF 2 Kurs sammeln können: Schnellhefter wurden in der Klasse verteilt (und ich habe sogar einen Locher mitgebracht), die KTs haben sich daran gewöhnt, Handouts, Übungsblätter und Hausarbeiten ordentlich einzuheften, Redemittel und Links, bzw. interessante URLs wurden auch gesammelt, ein systematisches Inhaltsverzeichnis noch nicht angelegt. Die Einschätzung eigener Fähigkeiten und das Pflichtbewusstsein waren deutlich gestärkt, die KTs fühlten sich ernst genommen, erachteten ihre Kursteilnahme für sinnvoll und waren angesichts der sauberen Arbeitsweise mit einem gewissen Stolz erfüllt. Die Mappen wurden auch zur Wiederholung vor der Prüfung benutzt. Die Rezeption war also durchweg freundlich. Die Portfolioarbeit lässt sich allerdings nur realisieren, wenn den Teilnehmern alle Materialien an die Hand gegeben und zur Verfügung gestellt werden und als Lehrer hat man anfangs noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Doch können auch Stimmen die Oberhand gewinnen, die im Sinne unnötigen Arbeitsaufwands, Kostenersparnis, Materialverschwendung, usw. dagegen plädieren,
solche erfahren eventuell nicht weniger Zustimmung.
Zusammenfassung
Aus einem als persönliche Arbeitsmappe angelegten Portfolio lässt sich durch Ergänzung mit Arbeitergebnissen, mit Bewertungen und auch Dokumenten, wie z.B. Teilnahmebescheinigungen, Zertifikaten oder anderen Zeugnissen, Auszeichnungen, usw. ein persönliches Dossier zusammenstellen.
Dieses kann mit Inhaltsverzeichnis und Zeugniskopien zwecks Beurteilung eingereicht werden. Ein Exemplar mit im Original beigefügten Dokumenten kann Schülereigentum bleiben. Durch ordnungsgemäße Portfolioarbeit wird zweifellos ein Mehrwert geschaffen, zunächst einmal durch doppelte Arbeit – nicht nur die Leistung wird erwartet, sondern auch die Dokumentation des Lernwegs. Ganz umsonst ist das alles nicht:
Die Arbeitsergebnisse bleiben auf diese Weise erhalten, gehen im Portfolio nicht verloren, lassen sich aufbewahren und bei Bedarf aktualisieren. Der Lehrer sammelt die Klassenarbeiten, ergänzt ggf. das ordnungsgemäß geführte Klassenbuch mit eingereichten Arbeitsmappen. Mit komplettiertem Portfolio sind die Lernenden im Besitz eines stets griffbereiten Dossiers, besser noch eines Repertoires oder einer ansehnlichen Sammlung stets parater Portfolios und Dossiers.

2 Kommentare »

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  1. Liebe Wera,

    sehr überzeugend – Portfolio-Methode als Sammelmappe, in der nicht nur Arbeitsblätter und unterschiedlichste Unterrichtsmaterialien sondern auch Zeugnisse – zu definieren. Reflexionen könnte man nur von Erwachsenen erwarten oder aber von schon erfahrenen Jugendlichen.
    Vielen Dank für diesen Blog-Beitrag!!! :-)
    Liebe Grüße
    K.

    • Liebe Karmelka,
      danke für deinen freundlichen Kommentar!
      Im Beitrag enthalten ist der zweite Teil der Aufgabenstellung:
      Der Abschnitt ist “Praxisbezug” überschrieben. Der dritte
      Teil der Aufgabe, ist auch eingereicht: Eine Kurzfassung ist
      auf der Lernplattform abgelegt, außerdem gibt es 2 Kommentare,
      einen für Alexandrina und einen für Eva. Damit ist Aufgabe 1
      erfüllt. Sicherhaltshalber sollte ich dir die Word-Datei “Portfolio” noch zwecks Ablage als E-Mail Anhang übermitteln. Vielen Dank, Wera


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